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Wie sieht die richtige Koiernährung aus?

Die richtige Ernährung setzt sich aus Fütterungsmenge und Qualität des Futters zusammen. Sie hat entscheidenden Einfluss auf Gesundheit, Wachstum, Farbausbildung und nicht zuletzt auf die Qualität des Teichwassers. Die Futtermenge ist abhängig von der Jahreszeit, der Futterqualität und von der Menge und Größe der vorhandenen Koi.

Die Nahrung der Koi besteht aus 5 verschiedenen Bausteinen. Protein, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe.

Protein

Proteine sind für verschiedene Stoffwechselvorgänge, wie Bildung von Körpergewebe, Hormonen und Enzymen notwendig. Die verdauliche Energie liegt bei 22 KJ je gramm. Protein ist Eiweiß und setzt sich aus 20 verschiedenen Aminosäuren zusammen. Etwa 10 müssen der Nahrung unbedingt zugeführt werden, da sie vom Koi nicht selbst gebildet werden können. Bekannte Aminosäuren sind zB. Valin, Arginin, Phenylalanin und Lysin. Hochwertiges Protein im Koifutter zeichnet sich dadurch aus, dass die einzelnen Aminosäuren in einem richtigen Verhältnis und genügend großer Menge vorhanden sind. Fehlt nur eine einzige essentielle Aminosäure kommt es zu Wachstums- und Stoffwechselstörungen. Proteingehalte im Koifutter sollten zwischen 30-45% liegen. Das ist abhängig von der Größe der Koi,der Jahreszeit und dem Protein-Fettverhältnis. Kleine, schnell wachsende Koi benötigen hohe Proteingehalte, große Koi ab 60cm, die nur langsam wachsen, entsprechend weniger.

Fett

Fette sind Bestandteile aller Zellmembranen. Hochwertige Fette sind der wichtigste Energielieferant. Der verdauliche Energiegehalt liegt mit 36 KJ je gramm höher als bei Protein und Kohlenhydraten. Die Qualität der Fette hängt von den Fettsäuren ab, aus denen sie aufgebaut sind. Hochwertige Fettsäuren sind zB. Linolsäure und Linolensäure auch bekannt als Omega 6 und Omega 3, sowie Oleinsäure als Omega 9 . Besonders aus marinen Kaltwasserfischen gewonnenes Fischöl besteht zu 70% aus diesen wertvollen Fettsäuren. Für eine optimale Versorgung benötigen die Koi vor allem diese hochwertigen ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren.  Minderwertige Fette, wie harte und kurzkettige Fette, bsw. Schlachthausabfälle von Warmblütern, reduzieren zwar die Futterkosten, machen aber das Futter schlechter verwertbar. Besonders bei niedrigen Temperaturen ist der Koi nicht in der Lage diese Fette vollständig zu verstoffwechseln, sie werden ins Körpergewebe eingelagert und können auch in der warmen Jahreszeit nicht mehr zur Energiegewinnung genutzt werden. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren gelangen direkt in die Zellen, Nerven und Membranen, wo Sie lebenswichtige Vorgänge aufrechterhalten. Ein Fettgehalt von 8-12% sollte in hochwertigen Koifutter bei der Sommerfütterung enthalten sein. Werden die Koi kalt überwintert, also die Fütterung für mehre Monate stark reduziert bzw. eingeschränkt sollte ab Ende August der Fettgehalt im Futter weiter erhöht werden.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate sind Zucker und Stärke. Der Anteil der unverdaulichen Kohlenhydrate ist die Rohfaser. Ein höherer KH- Gehalt in einem Sommerfutter muss nicht immer nachteilig sein, entscheidend ist der verdauliche Anteil sowie die Verarbeitung der Stärke. Kohlenhydrate sind wie Protein und Fett ebenfalls Energielieferanten, enthalten aber nur 15 KJ verdauliche Energie je gramm und sind daher die schlechteren Energielieferanten. Fische können Kohlenhydrate schlechter nutzen als Säugetiere. Zwar ist der Koi in der Lage mittels dem Enzym Amylase Kohlenhydrate besser zu verwerten, als bsw. andere Fische, doch führen zu viele Kohlenhydrate zur Verfettung, Leberschäden, schlechtem Wachstum und Belastung des Teichwassers durch übermäßige Ausscheidungen. In den Sommermonaten kann ein Koi Kohlenhydrate noch gut energetisch nutzen, bei niedrigen Temperaturen allerdings gar nicht mehr, da die Enzymtätigkeit stark eingeschränkt ist.

Deshalb sollte bei einem geeignetem Winterfutter der Gehalt an KH so niedrig wie möglich sein!!!

Vitamine und Mineralien

Vitamine sind organische Stoffe, die grob in fettlöslich und wasserlöslich unterschieden werden. Wasserlöslich sind zB. Vitamin C und B, dagegen fettlöslich A, E und D. In der Regel sind Alleinfuttermitteln genügend Vitamine zugesetzt, so dass Mangelerscheinungen bei Koi nicht auftreten sollten. Bei hochwertigen Rohstoffen und einer schonenden Verarbeitung sind viele wichtige Vitamine schon enthalten und müssen dementsprechend gering oder gar nicht zugesetzt werden. Deklarationspflichtige Vitamine sind A, E und D3, sie müssen auf jeder Packung angegeben sein. Die Verfügbarkeit von Vitaminen hängt natürlich von der Frische und der Lagerung des Futters ab. Alle Vitamine haben unterschiedliche Eigenschaften, einige oxydieren, sind lichtempfindlich, andere werden durch UV-Licht zerstört oder oxydieren durch minderwertige Fette. Deshalb ist eine kühle, trockene, dunkle und luftdichte Lagerung des Futters besonders wichtig. Die fettlöslichen Vitamine machen im Koifutter nur Sinn, wenn hochwertige Fette in ausreichender Menge vorhanden sind. Folge von Vitaminmangel sind zB. Wachstumsstörungen, Haut-, Leber- und Kiemenschäden, Augenprobleme, Blutungen in den Flossen und Stoffwechselstörungen.

Mineralstoffe sind anorganische Substanzen und für den Stoffwechsel unverzichtbar. Unterschieden werden Mengenelemente wie Kalzium, Phosphor und Magnesium sowie Spurenelemente wie Selen, Eisen und Jod. Einige Mineralstoffe nimmt der Koi über das Wasser auf, eine zusätzliche Versorgung mit Kalzium und Magnesium ist daher bei weichem, mineralarmen Teichwasser erforderlich.

Spirulina

Spirulina wird bereits seit vielen Jahren als Nahrungsergänzungsmittel in der menschlichen Ernährung eingesetzt. Im Koifutter wird Spirulina immer nur in Verbindung mit der farbverstärkenden Wirkung auf unsere Koi genannt. Der viel wichtigere Aspekt ist der positive Einfluß auf die Gesundheit der Koi. Spirulina besteht aus 55-67% hochwertigsten Eiweiß, nur 10-19% Kohlenhydrate. Der Mineralstoffgehalt liegt bei 5-9% und der Anteil von ungesättigten Fettsäuren liegt bei 7-15%. Nachgewiesene Vitamine sind E, B1-B12 und Provitamin A. Spirulina sollte in keinem Futter fehlen, es kann wegen der außerordentlich guten Verwertbarkeit und Verdaulichkeit das ganze Jahr über den Koi angeboten werden. Spirulina führt dazu, dass die Muskelleistung effektiver wird(Lactasewerte runter), dass die zelluläre Immunabwehr steigt(Phagozytoseaktivität rauf), dass das Immunsystem leistungsfähiger wird(mehr Leukozyten). Spirulina beugt durch seinen hohen Gehalt an Antioxydantien dem Zellverschleiß vor und schafft die Voraussetzung für gute Heilung von Wunden und dauerhafte Gesundheit. Spirulina regt das Wachstum an, die Resistenz der Koi gegen Krankheiten wird merklich gesteigert.

Weizenkeime

Weizenkeime werden immer wieder als leichtverdauliches Winterfutter angepriesen, sogenannte Weathgerm Futter. Völliger Schwachsinn! Die Kohlenhydratgehalte in solchen Futtermitteln liegen meist weit über 40%. Bei Temperaturen unter 15°C ist das Enzym Amylase nicht mehr in der Lage KH aufzuspalten und zu verstoffwechseln. Energie kann ein Koi in den kalten Monaten nur aus dem Fett decken! Fütterungen mit stark kohlenhydrathaltigem Futter belasten den Darm des Fisches, erhöhen den Verschmutzungsgrad des Wassers und fördern Energiemangel bei steigenden Temperaturen nach der Winterpause!

Desweiteren sorgen Weizenkeime für eine ganz andere Gefahr! Die im Weizenkeim enthaltenen Lektine schützen den Keimling vor Schädlingsfraß. Dieses Weizen-Lektin(WGA-weath germ agglutinin) ist hitzestabil und war Anlass, auf Grund seiner insektiziden Wirkung, für eine toxikologischen Untersuchung. In Tierversuchen hat man festgestellt, dass das Wachstum um ein drittel zurück ging und die Futterverwertung des Eiweißes beeinträchtigt war. Das Lektin schädigte die Schleimhäute des Dünndarms, nach 10 Tagen war die Bauchspeicheldrüse stark vergrößert. Es wird befüchtet, dass das regelmäßige Füttern mit weizenkeimhaltigen Produkten die Bauchspeicheldrüse schädigt und das Immunsystem nachhaltig belastet. Lektine begünstigen die Aufnahme lebensbedrohlicher Bakterien über die Darmwand in die Blutbahn, die so innere Organe erreichen können. Mittlerweile sind Weizenkeime von der Liste der gesundheitsfördernden Produkte in der menschlichen Ernährung gestrichen worden.

Wen interessiert dies in einem Zierfischfutter?

 

Wasserqualität

Koifutter hat auch einen großen Einfluß auf die Wasserqualität. Das richtige Protein/Fettverhältnis sollte zwischen 5:1 bis 3:1 liegen. Hat ein Koifutter einen zu geringen Fettgehalt, muß der Koi die benötigte Energie aus dem wertvollen Protein decken. Das führt erstens zu geringerem Wachstum, da nun nicht genügend Protein zur Verfügung steht und zweitens zu extremen Ammoniakausscheidungen über die Kiemen. Ammoniak wird durch den Nitrifikationsprozess zu Nitrat umgewandelt. Da letztendlich hohe Ammoniakmengen hohe Nitratmengen zur Folge haben, wird Algenwachstum gefördert. Auch hohe Kohlenhydratgehalte verschlechtern die Wasserqualität, durch den geringen Energiegehalt muß der Koi mehr Futter aufnehmen, um seinen Energiebedarf zu decken. Dies führt zu vermehrten Ausscheidungen und Belastung des Teichwassers. Auch der Phosphatgehalt des Futters hat entscheidenden Einfluß auf vermehrten Algenwuchs. Fadenalgen wachsen bereits ab Konzentrationen von 0,04mg/l prächtig. Phosphate werden entweder über das Futter, oder und phosphatbelastetem Brunnen-oder Trinkwasser in ein Gewässer eingetragen. Zulässige Phosphatwerte liegen bei 5mg/l und dienen der Wasserenthärtung.

Futtermenge und Fütterungsdauer

Die Futtermenge ist in erster Linie von der Wassertemperatur, der Menge und Größe der Koi und der Qualität des Futters abhängig. Hat ein Koifutter nur eine verwertbare Energie von 13 MJ, muss natürlich mehr gefüttert werden, als bei 17 MJ. Da der Koi keinen Magen hat, sollte die Fütterung aus vielen kleinen Malzeiten bestehen. 4- 5 Portionen über den Tag verteilt, sollten es schon sein, da ein ständiges Hungern und Vollstopfen nicht gerade verdauungsfördernd ist. Leider sind für die meisten Koiliebhaber solche Fütterungsintervalle nicht machbar. Hier hilft entweder ein Futterautomat oder die Fütterung sollte nach Absprache auf mehrere Familienmitglieder aufgeteilt werden. Richtwerte für die Futtermenge sollten bei kleinen schnellwachsenden Koi 3% vom Körpergewicht und bei Koi von 50cm nur noch 1% sein. Dazu sollte in etwa das Gewicht der Koi bekannt sein. Ich möchte hier bewußt auf Rechenbeispiele verzichten, da die Voraussetzungen in jedem Teich etwas anders sind und stark von Sauerstoffgehalt und Temperatur abhängig sind. Jeder Koiliebhaber sollte durch Beobachten des Fressverhaltens seiner Fische, die richtige Menge selbst entscheiden. Hier nur einige Gewichtsangaben. Da Weibchen fülliger und kräftiger sind, sollten bei Männchen ab 35 cm etwa 15% abgerechnet werden. Ein Koi von 20cm wiegt etwa 150gramm, ein Koi von 35cm etwa 900gramm, ein Koi von 50cm etwa 3600gramm und ein Koi von 60cm etwa 4800gramm.

Wenn im Herbst die Temperaturen sinken, ist es wichtig in tiefen Teichen ab etwa 12°C auf Sinkfutter umzustellen. Die Koi sollen nicht ständig gezwungen werden, die Nahrung von der Oberfläche aufzunehmen und dadurch zusätzlich Energie zu verbrauchen.


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