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| Welchen Einfluss hat die Genetik auf Krankheitsanfälligkeit und Kältetoleranz? |
Das Thema der Koi-Genetik ist faszinierend, weil wir es im Grunde mit einem biologischen Konflikt zu tun haben:
Ästhetik gegen Evolution.
In der Natur selektiert die Evolution auf „Überleben unter widrigsten Umständen“.
In der Zucht selektiert der Mensch auf „Schönheit unter optimalen Umständen“.
Je weiter wir uns vom Wildkarpfen entfernen, desto mehr „Schutzprogramme“ gehen verloren.
1. Das Pleiotropie-Prinzip: Warum Farbe krank macht
In der Genetik nennt man das Pleiotropie, wenn ein einzelnes Gen mehrere, oft völlig unterschiedliche Merkmale beeinflusst.
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Das Pigment-Dilemma: Die Gene, die für die Verteilung von Farbzellen (Chromatophoren) verantwortlich sind, sind oft eng gekoppelt mit Genen des Hormonsystems und der Stressachse.
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Beispiel Weiß (Shiroji): Das strahlende Weiß, das wir bei Tancho oder Shiro Utsuri so lieben, basiert auf einer extremen Verdichtung von Leukozyten-ähnlichen Zellen in der Haut.
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Studien deuten darauf hin, dass die genetische Fixierung dieses „Super-Weiß“ mit einer geringeren Variabilität im MHC-Komplex (Haupthistokompatibilitätskomplex) einhergeht.
2. Der MHC-Komplex: Das „Gedächtnis“ des Immunsystems
Der MHC-Komplex ist der Teil des Genoms, der die Immunantwort steuert. Er erkennt „selbst“ von „fremd“ (Viren, Bakterien).
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Genetische Vielfalt: Wildnähere Fische (Chagoi, Magoi) haben einen sehr diversen MHC-Komplex. Sie können auf eine riesige Bandbreite an Erregern reagieren.
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Inzucht-Flaschenhals: Um eine Varietät wie den Tancho stabil zu züchten, müssen die Elterntiere genetisch sehr ähnlich sein. Das verringert die Vielfalt im MHC-Komplex.
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Der Fisch hat dann zwar den perfekten roten Punkt, aber sein "Immunsystem-Katalog“ ist nur noch halb so dick wie der eines Chagois. Er erkennt bestimmte Bakterienstämme einfach nicht rechtzeitig.
3. Die Genetik der Kälteresistenz: Flüssige Membranen
Warum stirbt der Tancho bei 4 °C, während der Chagoi überlebt? Die Antwort liegt in den Desaturase-Genen.
Wenn es kalt wird, drohen Zellmembranen starr zu werden (wie Butter im Kühlschrank). Der Fisch muss seine Membranen „verflüssigen“, indem er gesättigte Fettsäuren in ungesättigte umwandelt.
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Kalt-Akklimatisierung: Robuste Varietäten besitzen eine höhere Kopienzahl oder eine effizientere Aktivierung von Genen, die Desaturase Enzyme produzieren.
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Das Versagen: Bei Hochzucht-Varietäten scheint diese genetische Antwort verzögert oder schwächer zu sein. Bei 4°C werden ihre Zellmembranen spröde.
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Die Ionenpumpen (Natrium-Kalium-Pumpe) in der Zelle versagen, weil sie inder starren Membran feststecken.
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Ergebnis: Die Zelle kann ihren osmotischen Druck nicht halten, schwillt an und stirbt. Das ist der Grund für das „Auffallen“ und Sterben sensibler Koi im Winter.
4. „Epigenetik“: Das Gedächtnis Ihrer Fische
Ein wichtiger Punkt ist, dass Gene nicht nur vorhanden sind, sondern „an- oder ausgeschaltet“ werden können.
Wenn Ihre Koi beim Züchter in Japan bei 20°C im Gewächshaus aufgewachsen sind, wurden die Kälteresistenz-Gene nie „trainiert“. Die Epigenetik dieser Fische steht auf „Sommer“.
Kommen diese Fische in einen deutschen Winter bei 4°C, wissen die Zellen genetisch gar nicht, wie sie reagieren sollen.
5. Varitäten_Spezifische Schwachstellen
Die genetische Distanz vom Wildkarpfen(Magoi) und dem Grad der züchterischen Selektion wurde in 5 Stufen eingeteilt.
Stufe 1 (Ochiba, Karashi, Soragoi, Chagoi) Robustheitsgrad sehr hoch
Enormes genetisches Erbe des Magoi.
Dicke Schleimhaut, stabiler Stoffwechsel, hohe Kältetoleranz
Stufe 2 (Sanke,Kohaku, Asagi) Robustheitsgrad hoch
Seit Jahrzehnten stabilisierte Blutlinien. Gute Balance zwischen Optik und Vitalität.
Stufe 3 (Showa,Bekko, Utsuri) Robustheitsgrad mittel
Komplexere Genetik (Sumi-Entwicklung).
Reagieren schneller auf Stress und Wasserwertschwankungen.
Sensibilität der Pigmentzellen bei Utsurilinien
Melanozyten reagieren extrem auf pH-Schwankungen und Stress.
Stufe 4 (Tancho, Metallic, Goshiki,Goromo) Robustheitsgrad gering
Extreme Selektion auf Weißgrad oder spezifische Farbmuster.
Die reflektierenden Guanin-Kristalle in der Haut verdrängen oft schleimbildende Zellen
und die Fische sind anfälliger für Ektoparasiten.
Stufe 5 (Doitsu Metallic, Kumonryu, Kikokuryu) Robustheitsgrad sehr gering
"Doitsu"-Genetik (schuppenlos) + instabile Farbpigmente.
Höchste Anfälligkeit bei Kälte und Keimdruck.
Warum diese Unterschiede existieren
1. Der "Magoi-Faktor" (Stufe 1)
Ein Chagoi ist physiologisch gesehen fast noch ein Wildkarpfen. Er besitzt eine enorme Fresslust, was bedeutet, dass er sich im Sommer gigantische Fettreserven für den Winter anfressen kann. Seine Kälteresistenz-Gene (Desaturasen) sind voll aktiv. Er ist der Fisch, der bei 3 °C oft noch als Einziger ruhig am Boden "atmet", während andere kippen.
2. Das Pigment-Problem (Stufe 3 & 4)
Varietäten wie Shiro Utsuri oder Tancho investieren einen Großteil ihrer Stoffwechselenergie in die Perfektionierung ihrer Zellen (Melanozyten für Schwarz, Erythrophoren für Rot). In Stresssituationen fehlt diese Energie an anderer Stelle, z. B. bei der Aufrechterhaltung der Ionenpumpen in den Kiemen.
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Tancho-Spezialfall: Der rote Punkt ist genetisch oft instabil. Stress führt hier sofort zu Entzündungen, die sich bei Kälte (wegen der fehlenden Immunantwort) schnell zu Geschwüren ausweiten.
3. Die "Doitsu-Falle" (Stufe 5)
Schuppenlose Fische wie der Kumonryu haben eine fundamental andere Hautphysiologie. Schuppen dienen nicht nur als Panzer, sondern auch als "Mineralstoffspeicher" (Kalzium). Doitsu-Koi fehlt dieser Puffer. Bei extremem Weichwasser oder Kälte bricht ihre Osmoregulation (der Wasserhaushalt im Gewebe) viel schneller zusammen als bei beschuppten Fischen (Wagoi).
Der Asagi ist wie auch der Chagoi genetisch sehr nahe am Wildkarpfen(Magoi). Warum gehört der Asagi nicht auch in Kategorie 1?
1. Das "Nervenbündel"-Gen (Psychosomatischer Stress)
Das ist der wichtigste Unterschied. Während ein Chagoi (Stufe 1) sprichwörtlich die Ruhe selbst ist und Ihnen aus der Hand frisst, ist der Asagi(Stufe2) oft der nervöseste Fisch im Teich.
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Fluchtreflex: Asagis sind extrem schreckhaft. Es wird sofort Adrenalin ausgeschüttet.
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Cortisol-Dauerlast: Häufiger Stress führt zu einem permanent leicht erhöhten Cortisolspiegel. Cortisol ist der Gegenspieler des Immunsystems. Ein Fisch, der ständig "auf dem Sprung" ist, verbraucht mehr Energie und hat eine dünnere Immun-Reserve als ein tiefentspannter Chagoi.
2. Die Zucht auf "Reinheit" vs. "Masse"
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Chagoi/Karashigoi: Hier wurde primär auf Wachstum und Fressgier selektiert. Das bedeutet: Diese Fische haben einen "Turbo-Stoffwechsel", der extrem effizient Energie speichert.
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Asagi: Beim Asagi wird seit über 150 Jahren auf eine extrem spezifische Ästhetik selektiert: das perfekte Indigo-Blau mit der präzisen Netzzeichnung (Matsuba) und dem sauberen Kopf.
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Um diese Merkmale stabil zu halten, ist die Zuchtauswahl viel strenger und genetisch enger als bei einem "braunen" Chagoi.
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Diese Selektion hat dazu geführt, dass der Asagi zwar robust ist, aber nicht die "brutale" Vitalität eines Hybriden besitzt.
3. Spezifische Schwachstellen des Asagi
Obwohl er ein "Ur-Koi" ist, hat der Asagi zwei Achillesfersen, die ihn von Stufe 1 herabstufen:
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Hautsensibilität: Das Blau des Asagi ist sehr empfindlich gegenüber Wasserwerten. Zu hartes Wasser oder falscher pH-Wert führen oft zu "Shimi" (schwarzen Flecken). Diese ständige Reaktion der Haut auf die Umwelt zeigt, dass die Barrierefunktion nicht so "dickfellig" ist wie bei den Kawarimono.
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Anfälligkeit für Lymphocystis: Tierärzte beobachten bei Asagis überdurchschnittlich oft Hautwucherungen (Pocken/Viren), die zwar selten tödlich sind, aber zeigen, dass das Immunsystem mit bestimmten viralen Lasten weniger gut fertig wird als das der Stufe-1-Fische.
Der Vergleich in der Praxis:
Wenn im Winter die Temperatur auf 4 °C fällt, wird der Chagoi einfach "pennen". Der Asagi hingegen ist oft der Fisch, der bei Störungen als Erster panisch aufschreckt und durch das Becken schießt. Diese Bewegung bei 4 °C kostet ihn massiv Kraft und kann zum Herz-Kreislauf-Kollaps führen.
Warum Wasserwerte „Stress“ bedeuten (Osmoregulation)
Hier schließt sich der Kreis zu der Kälteresistenz. Ein Fisch muss seinen Salzgehalt im Körper (ca. 0,9 %) gegen das umgebende Wasser aufrechterhalten.
Sehr hartes Wasser: Der Fisch muss aktiv Ionen (Kalk/Salze) über die Kiemen nach außen pumpen.
Sehr weiches Wasser: Der Fisch muss aktiv Ionen nach innen ziehen, um nicht „auszulaugen“.
Bei 4 °C fahren die Ionenpumpen in den Kiemen auf fast Null herunter.
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Wenn Ihr Wasser nun extrem von den „Wohlfühlwerten“ der jeweiligen Varietät abweicht (z. B. ein Shiro Utsuri in extrem hartem Wasser), muss der Fisch im Winter gegen den osmotischen Druck ankämpfen, während seine Pumpen eigentlich Pause haben.
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Dieser „Leckstrom“ an Ionen führt zur Erschöpfung und letztlich zum Tod.
Da es in Teichen immer eine Mischung aus robusten und sensiblen Fischen gibt, sollte man auf den goldenen Mittelweg setzen, der niemanden überfordert:
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pH-Wert: 7,4 bis 7,8 (stabil ist wichtiger als der exakte Wert!).
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Gesamthärte (GH): 7 bis 10° dH.
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Karbonathärte (KH): 5 bis 7° dH (Wichtig als Puffer gegen Säurestürze).
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